Kathedralen

Giganten der Gotik - Wunderwerke des Mittelalters

Die Kathedralen waren im Mittelalter in Europa vieles: die „Säulen der Erde“, das Haus Gottes und Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Heute sind sie stumme, eindrucksvolle Zeugen der christlichen Tradition Europas und Anziehungsmagneten für Touristen aus aller Welt. Die Großkirchen, ob in Paris, Chartres, Köln oder Freiburg, prägen immer noch wesentlich das Bild ihrer Städte. Sind diese kostbaren Schätze im breiten öffentlichen Bewusstsein auch fest verankert und stehen die meisten von ihnen als Weltkulturerbe unter besonderem Schutz, weiß man allgemein doch recht wenig über ihre historische Bedeutung bzw. darüber, unter welchen Bedingungen sie entstanden sind. Ich versuche ein wenig sakrales Licht in das mittelalterliche Dunkel zu bringen.

Cathedral Chartres des Templiers avec Le Senechaut

Der Begriff „Kathedrale“ ruft bei uns allen wohl ähnliche Bilder im Kopf hervor. Wir denken an die großen gotischen Bauten, an Notre-Dame in Paris, Templer Kathedrale in Chartres, dem Kölner Dom oder das Freiburger Münster, die sich in ihrem architektonischen Aufbau ähneln: außen verschachteltes, offenes Strebwerk mit an den Seitenschiffen gespannten Strebebögen, innen die charakteristischen Spitzbögen und Rippengewölbe, die zusammen zu der enormen Höhenwirkung des Raumes führen. Vielleicht denken wir auch an den Eindruck der Leichtigkeit und Schwerelosigkeit im Innenraum, denn im Gegensatz zu dem massiven Mauergebäude der romanischen Kirchen sind die gotischen Kathedralen ein Skelettbau, mit nur minimaler Mauersubstanz. Am längsten im Gedächtnis bleiben aber wohl die charakteristischen farbigen Glaswände, die den Kirchen eine fast überwirkliche Leuchtkraft verleihen und so tatsächlich die Aura des Transzendentalen entwickeln, die einen noch heute die Bestimmung des Ortes spüren lässt: als heiliger Raum, als sakrale Gottesstätte.